Freitag, 19. Oktober 2012

Hömma, lesma

A.J. Jacobs
Britannica & ich: Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden

Dies, meine Damen und Herren, liebe Verschworenen, ist eine Buchempfehlung.
Wer bisher glaubte, er schleppe einen Tornister an unnötigem Wissen mit sich rum, wird sich recht verwundert die Augen reiben, wie jemand, jener A.J. Jacobs nämlich, seines Zeichens Redakteur beim "Esquire", versucht, die gesamte Encyclopedia Britannica, die wohl umfangreichste Wissenssammlung der Welt, durchzulesen.
Oh nö, wie langweilig, höre ich da von den billigen Rängen?
Nundenn, leiht mir euer Ohr und Aufmerksamkeit, denn wir sprechen, also ich spreche und ihr horcht zu, von einem der wohl humorigsten Bücher, die in den letzten 100 Jahren über die Ladentheke gegangen sind.

Die EB umfasst etwa 33.000 Seiten, eng bedruckt, wie es sich für ein ordentliches Nachschlagewerk gehört und die hat unser guter A.J. tatsächlich durchgeackert. In einem Jahr (!).
Ob ihn die Figur des Autodidakten in Sartre´s "Der Ekel" dazu inspiriert hat, kann ich nicht sagen, halte es aber für durchaus denkbar.
Jetzt müsste ich eigentlich auch noch das Skript Sartre´s, dem nicht ganz umsonst das Attribut "Hauptwerk des Existenzialismus" angeheftet wurde, empfehlen, fürchte aber, dass es nur sehr spärlich mit witzigen Szenen, Dia- oder Monologen und Handlungen gespickt ist und somit für die Spass-Generation wenig bis überhaupt nicht geeignet.

Obiges sehr wohl. Man kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr raus. Schenkelklopf-Pointen sucht man zwar vergebens, aber dafür hat man ja sowieso andere, meist geringfügig plattere Komödianten.
Der Leser wird mitgenommen auf eine wahrhaftige Odyssee von A-Z, durchlebt die Qualen des Autors zwar nicht, entwickelt jedoch eine ungeheure Empathie für ihn, die der gleich ausnutzt, um den Aufgewühlten zu bespassen.

Prädikat: Genial.

Hab mir gedacht, wieso nur immer ich euch traktieren soll, tut´s doch mal selbst!
Morgen verrat ich dann, wenn ihr euch gut führt, was das alles mit der bereits erwähnten Unterhaltungssendung zu tun hat. Vielleicht kau ich aber auch noch ein wenig auf diesem Thema rum. Oder auf dem Felix B. Aber der ist bestimmt schon ziemlich zäh, so mit 43.

Für 49, nämlich Cent, bekommt man die Schwarte gebraucht beim Urwaldfluss-Höker.
Ein lohnendes Geschäft.

14 Kommentare:

  1. Ich bin lesetechnisch leider erstmal wieder mit Zwangslektüre ausgelastet (wenngleich, zugegebenermaßen, gar nicht so schlechter, wie ich vermute). Und dann sind da noch Lektürelisten, also obligatorische.
    ...aber für so in 5-7 Jahren habe ich mir obiges Werk mal vorgemerkt. Davor will aber erstmal das sartrische Ekel da lesen. Das klingt nämlich gut irgendwie. 8)

    Ich ahne ja, dass das empfohlene Buch eine Menge "unnützes Wissen" ("unnützes Wissen" ist eigentlich ein Widerspruch in sich; nennen wir es daher lieber "nicht eben alltagstaugliches Wissen") beherbergt - also genau die Art Zeug, die mein Hirn wie ein Schwamm aufsaugt, den Weg für das Zeug blockiert, welches ich hingegen im Studium und für meinen Beruf brauche. *tilt*

    Tenzing Norgay wäre übrigens auch so ein Wissen. Habe ich mir unerklärlicherweise gemerkt. Werde ich wahrscheinlich in 10 Jahren noch wissen. - Nur eben nie wirklich irgendwo anbringen können. *tilt*
    (Ich versuche derzeit, zu ergründen, warum ich mir sowas merke, und hingegen alles dringend gebrauchte Zeug nicht.)

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    1. Das liegt (u.A.) an deinem Hirnaufbau. Kann man austricksen bzw. umpolen durch Gedächtnis- und Konzentrationsübungen.

      Hätteste beim Jauch gesessen und die vorherigen 14 Fragen richtig beantwortet, hätte dir das scheinbar unnütze Wissen 1 Million Tacken eingebracht, bei Trivial Pursuit hätteste dich einfach über einen Teilerfolg freuen können.
      Mal vom Respekt- und Achtungsgewinnn deiner Mitspieler abgesehen.
      Btw heisst Tenzin(g)=> Wissen und ist quasi ein Ehrentitel. Kannste gezz mit angeben gehn. 8)

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    2. Erklär mir bitte meinen Hirnaufbau. Es könnte nützlich sein. (?)
      Mnemotechniken habe ich durch. Die sind nichts für mich. -.-

      ...aber ich bin der Sache schon auf der Spur.

      *gleich mal nachgoogle, in welcher Sprache "Tenzin(g)" Wissen bedeutet. Sollte man vllt auch wissen dann, wenn man schon damit angibt.*

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    3. Ähh, Moment, *Skalpell schleif*...das da brauchenwanimmer...ups, das sieht ja verzwickt aus...hmmm...Tenzing = Tibetisch.
      Bin doch kein Hirnforscher, tssss, aber es gibt unterschiedlich ausgeprägte Hirnareale, die für die Erinnerung zuständig sind. Was einem da hilft, ist natürlich auch immer von der Person abhängig. Bei wichtigen Sachen nutze ich das Verfahren des Eselbrückenbaus bzw. Wegstrecke mit Bildern entwickeln.

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  2. Ich hab grad den Mord im Orientexpress durch.
    Zwar nix dabei gelernt, aber Spaß gehabt ;-)

    49 Cent für ein Buch ist ziemlich traurig Oo

    Aber A.J. Jacobs find ich irgendwie unsympatisch... zudem stellt sich die Frage: Hat der sonst nix zu tun?
    Btw hab ich die 1024 Seiten von Harry Potter Band 5 in nur 2 Tagen durch... Ein Jahr für 33.000 ist schon etwas langsam.

    Felix B. ist da ne ecke cooler. Und lustiger.

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    1. Hast wohl was gelernt: Dass nämlich Agatha Christie das geschrieben hat, wer der Mörder ist, wie der Dedektiv heisst....soll ich weitermachen?
      Und wenn du dir davon auch noch viel merken kannst, wirste vielleicht die nächste Millionengewinnerin.

      Der Mann ist ziemlich viel beschäftigt so nebenher, weil Redakteur und Kolumnist für diverse Magazine, da sind gute 100 Seiten durchschnittlich ein ganz schönes Pensum. Musst ja auch bedenken, dass er dabei jede Menge Notizen machen musste.
      Felix is cooler als alle!^^

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    2. Zudem ist es wohl auch etwas anderes, ob ich einen Roman lese, oder versuche 100 Seiten im Brockhaus zu lesen.Ich kenne die Britannica nicht, denke aber, dass sie ähnlich aufgebaut sein wird. Die Schrift ist winzig, die Seiten sind zweispaltig bedruckt, die kurzen Texte sind mit Querverweisen gespickt und die Sprache ist auch gewöhnugsbedürftig. So stelle ich mir das jedenfalls vor.

      Aber er ist keine Schönheit, der A.J., finde ich. ;)

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  3. Hab das Buch vor ner langen Zeit gelesen und kann jetzt aus der Ferne betrachtet sagen :"Joah, ganz nett, aber nicht der Oberkracher, den ich nochmal lesen müßte."

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  4. Ich lese nur Rezepte ;)
    Werde aber neugierig danach suchen.

    @Hijack: DER Ekel. Und ich bin froh, dass der Cowboy nicht versucht hat, uns mit diesem Werk zu bespassen.

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  5. Kommt ja nur auf die Lesart an...beispielsweise könnte man das ja satirisch umschreiben, da müsst ich aber erstmal neulesen, weil das ist echt schon ne Ewigkeit her. Einige prägnante Sachen sind aber schwerst hängengeblieben, weil ich mich später sehr mit dem "Existenzialismus" befasst habe.

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  6. Welch erhebender Moment ..warte das muss ich auskosten *schwelg*
    Ich weis was was du nicht weist, das du aber wissen solltest wenn du das Buch gelesen hättest :D

    Der Ekel hat ihn NICHT inspiriert, er hat das Buch zwar neben der EB auch gelesen aber was ihn eigentlich dazu inspirierte war das er sich selbst , also seinen verstand für verkümmert hielt :P *kicher* :)

    Außerdem hat die Sau voll geschummelt und viele Texte einfach nur angeschaut ohne sie zu lesen und gehofft das sein Hirn das zeug irgendwo im unterbewusst sein speichert ^^

    Sein 2. Buch ist deutlich besser geschrieben, aber wohl nicht ganz dein Geschmack ;)

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  7. Uh, Buchempfehlungen, ich liiiebe Buchempfehlungen. Kommt auffe Liste.
    Im Moment bin ich eher mit Trivialliteratur beschäftigt, wenn ich dazu komme. Ein Rezension in einem Radiosender hat meine Aufmerksamkeit auf Tana French gelenkt... die Dame schreibt Kriminalromane vom Feinsten. Total raffiniert und mit quasi überquellendem Wortschatz. Ich mag es, wenn Menschen mit Worten malen können. Dabei wird sie in meinen Augen aber kein bisschen weitschweifig... äh ja... es fällt schwer, das Ganze wieder wegzulegen.

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Aber Vorsicht: Ich schiesse scharf!