Samstag, 12. Januar 2013

Braindead

Vor lauter Recherschöserie für mir mitunter wohlgesonnene Blogger-Kollegen entfiel mir beinahe, was ich unbedingt loswerden wollte in dieser frostigen Wintersnacht.

Gestern begab ich mich nämlich in den neugestalteten, für Unsummen  nach allen Regeln des Neuro-Marketings ausgestatteten Supermarkt hier am Ort. Die geben 3 Millionen aus, um mir mit Duft-, Licht- und wie auch immer gearteten Effekten Hummer statt Fischstäbchen schmackhaft zu machen und was mach ich? Schreib mir vorher ´nen Einkaufszettel.
Angeschmiert.
Aber das war unfair, geb ich ja zu, beschäftige ich mich doch selbst mit Hirnforschung. Letztens erst sass ich mit dem Chef des Tourismus-Verbandes bei einem Gläschen warmer Milch beisammen und nach nur 2 Minuten Redezeit fragte ich mich, ob und wenn ja, wo der denn wohl ein Hirn haben könnte und welcher Bereich in selbigem anspringen mag, wenn er merkt, dass ich schon 110 Sekunden nicht mehr zuhöre.

Aber wenden wir uns doch lieber dem spassigen Teil der Hirnforschung zu, was für mich zweifelsfrei die Refinanzierung durch Konsumentenbeschiss darstellt. Anstatt sinnvolle Änderungen, wenn möglich sogar Verbesserungen für die Menschheit herbei zu führen, wird die gelangweilte Hausfrau beim Senfgurkenkauf betuppt.
Eine weitere, tiefgreifende Erkenntnis des Fachbereichs: Kluge, vielleicht aber auch doch wieder nicht ganz so kluge Zeitgenossen wollen gar festgestellt haben, dass bei Gläubigen, die gerade beten, andere Hirnbereiche aktiv sind, als bei Nichtgläubigen, die nicht beten.
Ich brauch unbedingt so  ´nen Magnetresonanztomographen, mit dem man sowas nachprüfen kann.
Vielleicht kann ich mir den ja in ein paar Jahrhunderten von dem Geld kaufen, das ich im Supermarkt durch fleissiges Zettelschreiben gespart haben werde.
Oder wir teilen uns einen.
Einer dabei?


Donnerstag, 10. Januar 2013

Gefährliche (Musik-) Liebschaften

Heute lassen wir zwecks geschlechtlicher  Ausgewogenheit mal einen Mann zu Wort kommen.
Ladies and Gentlemen,eben noch am Baby-Lift, jetzt hier fast live auf der Blogbühne:
The one and only, amazing "Brüderchen"! Applause, applause!
(Warum hab ich eigentlich das Empfinden, mich grad wie Kermit anzuhören?)


Ja, hallo erstmal, ich möchte die Gelegenheit nutzen, um deutlich zu machen, wie hart das Leben  als Abstinenzler unter all diesen Kreaturen hier ist. Ferner, um ein paar Dinge klarzustellen.
Ich bin ja schon öfter als Randerscheinung in seinen Blogs aufgetreten und der von ihm über mich vermittelte Eindruck ist schlicht und einfach falsch. 
Ausserdem hat er früher immer ABBA gehört.
Wo fange ich am besten an? Er erweckt gerne den Eindruck, dass ich, wenn ihm etwas Schlimmes passiert ist, in untätige Schockstarre verfallen bin. Angefangen von der Geschichte mit seiner fast abgetrennten Hand, die sich auf der einen Seite unserer Glastür befand, er auf der anderen. Ich mag, da hat er schon Recht, seit dem Tage keine Blutwurst mehr, aber ich habe sofort lebensrettende Massnahmen ergriffen. Als ich mich ausgekotzt hatte.
Als Kind, da war er 5, ist er vor ein Auto gerannt, 50 Meter durch die Luft geschleudert worden und sah nach der Landung recht unappetitlich und tot aus, da bin ich eben in mein Bett gegangen und hab geschlafen. Wozu sollte ich unsere Mutter unnötig aufregen? Hey, ich war 6. Da überbringt man keine schlechten Nachrichten, sondern bereitet seinen Eltern Freude oder bastelt ihnen was. Hätt ich vielleicht einen Sarg zimmern sollen?
Überm Bett hat er ein Poster von Kim Wilde gehabt.
Mit 12 oder 13 hat unser Kumpel ihm ein Auge ausgeschossen. Was, bitte sehr, hätte ich denn da machen sollen? Vielleicht die Hand draufhalten, damit der Augapfel nicht wegkullert? 
Sagte ich schon, dass er als Kind ABBA gehört hat? Und Smokey?
Ein Jahr später etwa hing er plötzlich an der Dachrinne in ungefähr 12 Metern Höhe. Hätt ich ihn auffangen sollen? Der war sauschwer. 
Und hat Bay City Rollers gehört.
Fällt was auf? Wann immer ihm was zugestossen ist, war ich dabei. Seitdem wir erwachsen sind (also ich zumindest)  und uns das aussuchen können, vermeiden wir, uns an potentiell gefährlichen Stellen zu treffen.
Und in Ingrid Steeger war er verknallt. Und in seine Deutschlehrerin.

Und da willst du ihm mal wieder so richtig eine  vor´n Latz knallen, da lädt er dich auf ´ne Woche Luxusurlaub ein. 
Menno.
Aber wie gesagt...allein unter Kampftrinkern. Die andere Option wäre gewesen, mit unseren Eltern wandern zu gehen oder skilanglaufen. Okay, man muss auch mal Prioritäten setzen und auf Annehmlichkeiten wie einen nicht lallenden Gesprächspartner verzichten können.
Einmal hab ich ihn erwischt, wie er heimlich  "Der Junge mit der Mundharmonika" mitgesungen hat.


Kleiner Nachtrag in eigener Sache: Wer von euch sein Blog bei der Wortpresse in Therapie hat, könnte mir vielleicht mal verraten, wie ich die deutschen Top Blogs/frisch gepresst oder wie auch immer sich das jetzt nennen mag, zu Gesicht bekommen kann. Die haben ja, wie eigentlich alle 3 Tage, schon wieder alles geändert auf der Startseite und ich vermisse doch meinen kleinen Schuss unfreiwilliger Heiterkeit für zwischendurch.
Apropos: Wo issen die Hijack abgeblieben? Post gelöscht und untergetaucht bedeutet ja in der Regel nix Gutes.

Mittwoch, 9. Januar 2013

Die Neujahrsansprache


Bei einer statistischen Lebenserwartung von ca. 80 Jahren habe ich noch gut 30 zu leben, d.h. ich werde weder Goldene Hochzeit feiern, noch an der Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg teilnehmen können.
Zudem dürfte der Wert noch etwas  -Experten gehen von etwa 85% aus- gedrückt werden, wenn ich mir des öfteren soviel und vor  allem solchen Besuch einlade. Lassen wir meine Eltern mal aussen vor, dann beschränkt sich das auf  Andrea, Big Brother, Eddy und Luisa oder auch kurz: ABEL.
Und was geschah mit Abel? Richtig, erschlagen wurd er, vom Kain nämlich.
Womit übrigens ganz nebenbei auch bewiesen wäre, dass Bibel lesen den Menschen -c´est moi in this case- eher auf dumme Gedanken bringt als Ballerspiele.
Womit wir bei den schon angesprochenen dummen Gedanken wären, wovon sodann welche folgen sollen.
Der Flötenschlumpf fängt an:


Hola, me llamo Eduardo (Angeber, Eddy heisst der) y que si tengo  cojones del maximo tamaño.
Pffft, der Olivenvombaumschüttler startet den gänzlich unbrauchbaren Versuch, euch weismachen zu wollen, seine ihm kürzlich Angetraute sei gar nicht die Chefin im Hause Guitierrez, doch lauschen wir ihm, diesmal gleich in eine saubere, verständliche Sprache übersetzt:

Das war, ich sage dies mit aller mir zur Verfügung stehenden Offenheit, der beste, wenn auch etwas zu kurze Urlaub meines Lebens. Die Berge, der ganze Schnee, die landesübliche Architektur mit diesen wunderschönen Holzverkleidungen - wie ein Abtauchen in eine andere Welt, von der ich zwar schon Bilder gesehen hatte, aber so in Natura ist das doch alles noch viel, viel imposanter.
Nicht dass wir in Spanien keine Berge hätten, keine Skigebiete, doch hier ist alles so ganz anders.
Schade irgendwie, dass du nicht mit uns Ski fahren konntest, aber was will man machen, wenn einer zu blöd zum Motorrad lenken ist.
Wir Spanier sind ja berühmt für unsere Gastfreundschaft, aber was du dir da rausgehauen hast, verschlug mir kurzfristig die Sprache. Die prächtigen Hotels mit ihren herausragenden Leistungen wie Schwimmbädern, Saunen, Wellness,  vorzüglichem Essen und den Sport- und Vergnügungsangeboten sind eine Klasse für sich. Deine Leute dort, die so freundlich und natürlich sind, deine Eltern samt Bruder, die ich kennenlernen durfte, sowie Andrea und Luisa, die ich endlich mal wiedersehen konnte; es war, kurz gesagt, ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Wir haben so viel Spass gehabt, alle das Zusammensein so genossen, dass es mir schwer fällt, an den Abschied zu denken und wann immer ich es ermöglichen kann, werde ich zurückkehren.
Ich danke dir, Cowboy, Demian oder Weltverdummer, wie auch immer du dich grad nennen magst. für die Zeit und deine Freundschaft, all den Unsinn, den wir hier und früher in Barcelona gemacht haben.
Schön zu wissen, dass es dir soweit gut geht und sich  alles prächtig entwickelt hat.
In dreissig Jahren, werden wir, alt und zerknittert, vor meiner Finca in der Abendsonne sitzen und ich werde schwärmen von diesen Tagen, den letzten des Jahres 2012 und ersten von 2013.
Un saludo!


So Kinners, ich geh mir jetzt ein Tränchen verdrücken und beizeiten in die Falle. Sie neigen ein wenig zum Pathos, die Iberer.

Btw habe ich absolut null Ahnung, warum die Schrift hier so ungleichmässig und seltsam ist. Geht nicht weg. Müsster durch.
Bei Wiederholung werde ich gegebenenfalls Google verklagen müssen.

Montag, 7. Januar 2013

Wir schreiben Geschichte

Jedenfalls kommt´s  mir grad so vor. Da hinten an der Bar in der Flauschecke hocken Andrea, Big Brother, Eddy und Luisa zusammen, giggeln wie Teenager, die erfahren haben, dass man an Tripper doch nicht stirbt und basteln am avisierten Blogpost, der, berücksichtigt man die Zeit, die sie darauf jetzt schon verwenden, das sonst hier übliche Mass wohl deutlich sprengen wird.
Gute halbe Stunde geb ich ihnen noch, dann wird nämlich die vorerst  letzte gemeinsame Nacht in einen fröhlichen Umtrunk münden, bevor die Kandidaten zum für sie günstigsten Flughafen  gekarrt und gen jeweilige Heimat verfrachtet werden.
Mich selbst zieht´s nach Wien, weshalb es durchaus sein könnte, dass deren Elaborat hier erst Dienstag publiziert wird.
Das wäre zwar schade für alle Beteiligten, liesse sich aber so adhoc nicht ändern.

Derweil plaudere ich aus dem Original Westtiroler, von in jungen Jahren erblindeten Murmeltieren mit Gemsenknochen geschnitzten Nähkästchen.

Weit braucht man ja nicht blicken, um der Absurditäten und geistigen Inkontinenz der Menschheit angesichtig zu werden.
Gestern erhielten wir eine Email, deren Verfasser, ein letzte Woche wieder abgereister Gast, zunächst mal etwas bei uns vergessen hatte. Das kommt relativ häufig vor. Kein Ding.
Wird´s gefunden, schicken wir ihm das nach, ab Paketgrösse zu seinen Lasten. Dafür brauchen wir, sofern noch nicht vorhanden, seine Kreditkartennummer bzw. das Einverständnis, um von selbiger den entstehenden Betrag abbuchen zu dürfen.
Da wird die Sache kompliziert, denn, um die Daten gebeten, liess er uns, ich zitiere wörtlich, wissen, dass "ein Verschulden unsererseits" vorläge, weil  "wir seine noch als Gäste weilenden Bekannten  nicht in das mittlerweile neuvermietete Zimmer zum Suchen gelassen" hätten.
Ausserdem, so fuhr er fort, hätte er gerne "unverzüglich, spätestens aber bis morgen, 15 Uhr" den ihm für frühzeitige, unerwartete Abreise als Stornorechnung gutgeschriebenen Betrag überwiesen gehabt.
Ferner fielen ein paar unschöne Bemerkungen über die geistige Flexibilität bzw. deren Nichtvorhandensein der mit ihm kommunizierenden Rezeptionistinnen.

So.

Nun, wir (fast) alle hier sind ja Blogger, wir kennen die ganzen Möchtegern-Wichtigtuer und Klugscheisser, die Zerknirschten und Lauten, die Droher und Danndochwiederschwanzeinzieher zur Genüge.
Unser kleiner Briefeschreiber aber ist, man halte sich fest *tusch*: RECHTSANWALT.

Nachdem er meine Antwort erhalten hat, die unter Anderem einen kleinen, aber feinen Hinweis darauf enthielt, dass wir lediglich aus Kulanzgründen überhaupt irgendwelche wie auch immer entstandenen Stornorechnungen dem Gast beim nächsten Aufenthalt anrechnen und wir ferner die Gästezimmer ohne deren Einverständnis und Anwesenheit weder betreten, noch durchsuchen  und ich mir ferner einen derartig gehaltenen Umgangston gegenüber meinen Mitarbeitern verböte, da er sich ansonsten mit dem Gutschein seinen Allerwertesten abwischen könne, kam etwa 2 Stunden später eine Email mit nur einer Textzeile.

Darin befanden sich die Kreditkartendaten.
Sonst nichts.

Was, so frage ich euch, geht eigentlich vor in solchen Menschen?