Vor lauter Recherschöserie für mir mitunter wohlgesonnene Blogger-Kollegen entfiel mir beinahe, was ich unbedingt loswerden wollte in dieser frostigen Wintersnacht.
Gestern begab ich mich nämlich in den neugestalteten, für Unsummen nach allen Regeln des Neuro-Marketings ausgestatteten Supermarkt hier am Ort. Die geben 3 Millionen aus, um mir mit Duft-, Licht- und wie auch immer gearteten Effekten Hummer statt Fischstäbchen schmackhaft zu machen und was mach ich? Schreib mir vorher ´nen Einkaufszettel.
Angeschmiert.
Aber das war unfair, geb ich ja zu, beschäftige ich mich doch selbst mit Hirnforschung. Letztens erst sass ich mit dem Chef des Tourismus-Verbandes bei einem Gläschen warmer Milch beisammen und nach nur 2 Minuten Redezeit fragte ich mich, ob und wenn ja, wo der denn wohl ein Hirn haben könnte und welcher Bereich in selbigem anspringen mag, wenn er merkt, dass ich schon 110 Sekunden nicht mehr zuhöre.
Aber wenden wir uns doch lieber dem spassigen Teil der Hirnforschung zu, was für mich zweifelsfrei die Refinanzierung durch Konsumentenbeschiss darstellt. Anstatt sinnvolle Änderungen, wenn möglich sogar Verbesserungen für die Menschheit herbei zu führen, wird die gelangweilte Hausfrau beim Senfgurkenkauf betuppt.
Eine weitere, tiefgreifende Erkenntnis des Fachbereichs: Kluge, vielleicht aber auch doch wieder nicht ganz so kluge Zeitgenossen wollen gar festgestellt haben, dass bei Gläubigen, die gerade beten, andere Hirnbereiche aktiv sind, als bei Nichtgläubigen, die nicht beten.
Ich brauch unbedingt so ´nen Magnetresonanztomographen, mit dem man sowas nachprüfen kann.
Vielleicht kann ich mir den ja in ein paar Jahrhunderten von dem Geld kaufen, das ich im Supermarkt durch fleissiges Zettelschreiben gespart haben werde.
Oder wir teilen uns einen.
Einer dabei?
Ich passe. Ich hab zu große Angst, dass ich bei näherer Untersuchung feststelle, dass manche Menschen entweder gar kein Hirn haben oder aber nicht denken.
AntwortenLöschenIch schreib keine Einkaufszettel .. also ich schreibe schon, aber ich vergess die dann immer. Hummer anstatt Fischstäbchen hab ich trotzdem noch nie gekauft. Bin ich jetzt Beleuchtungs - oder Beschallungsresistent?
Resistent kann man nur sein/werden, wenn man dem ganzen Brimborium bewusst etwas entgegensetzt (was voraussetzt, dass man das will), da die meisten Massnahmen ja aufs Unterbewusste zielen.
Löschen"mitunter wohlgesonnen" is' ja nun man arg übertrieben, 'ne? 8) (Streiche "mitunter" und ersetze durch "zumeist". ;P)
AntwortenLöschen@topic: Och..nööö...von dem Geld kauf ich mir lieber weiter Glitzerpullis. (Endverbrauchergehirnwäsche ist doch was Feines, und ja, funzt auch bei mir nicht selten ganz wunderbar. 8))
Demnach wäre "mitunter" aber unter- und nicht übertrieben, gelle? ;)
LöschenUnd kauf, was immer du magst; es funzt bei sicher mal 99% der Menschen, das ist ja der Gag an der Geschichte.
Zettel schreibe ich auch immer. Klappt aber nur, wenn man keinen Hunger hat oder mehr Selbstdisziplin als ich beim Regal mit dem Salzzeug.
AntwortenLöschenKann schon sein, daß beim Beten bei Gläubigen andere Gehirnareale aktiviert sind, da bei verschiedenen Tätigkeiten unterschiedliche Bereiche aktiv sind. Wenn jemand sich beim Beten statt "Hurra, ich komme in den Himmel!" "Warum verschwende ich meine Zeit mit so einem Qautsch hier?" denkt, kann ich mir schon vorstellen, daß das unterschiedliche Hirnwindungen benötigt. Als Kontrolle wären vielleicht Leute geeignet, die Gedichte oder Lieder rezitieren und nachsingen. Es ist eh eine spannende Fragen, warum die Menschen glauben. Ist das irgendwie in der Evolution verankert oder ist es ein gesellschaftliches, anerzogenes Ding? Kommt es durch die vermeintliche Intelligenz, weil Menschen sich über ihre eigene Existenz bewußt sind und deswegen an eine höhere Macht glauben wollen? Das Schlimme ist, daß man über so ein Wischiwaschithema wie Glauben so sehr philosophieren kann ohne sich auf greifbare Beweise stützen zu müssen. Da ist das MRT ein erster Schritt, Glauben wissenschaftlich zu hinterfragen.
Nun, ich hab das ja extra (etwas übertrieben) so formuliert...tatsächlich ist es so, dass bei streng Gläubigen im Gegensatz zu z.B. Atheisten die selben Hirnareale unverhältnismässig stärker aktiv sind.
LöschenIch laich nachher mal meinen Sermon bzgl. Glauben, Religion etc. ab. Hasse gezz davon, ätsch. 8)
Auch wenn du es vielleicht etwas übertrieben formuliert hast.. Bei mir wurde da auch direkt die Frage aufgeworfen, was da miteinander verglichen wurde. Ich meine, man müsste ja quasi Gläubigengehirne beim Beten durchleuchten und Nichtgläubigengehirne. Welcher Nichtgläubige betet denn? Und wenn sie dann einfach im Rahmen der Untersuchung zu beten angewiesen werden, ist das doch total verfälscht - wie Daria ja auch schon schrieb. Die denken ja etwas ganz anderes - nur als Beispiel: Wenn die Gedanken dann auch nur kurz zu so etwas wie der allabendlichen Joggingrunde abschweifen, werden - ja nach Intensität der Vorstellung - auch Areale des motorischen Cortex aktiviert. Das ist ja nicht mehr so wirklich repräsentativ und valide. Es geht mir wirklich nicht ums Rumklugscheißern, aber ich wüsste wirklich gern, wie das Untersuchungsdesign ausgesehen hat. Da gibt's ja dann auch noch mögliche Drittvariablen, die das Ganze beeinflussen könnten. Vielleicht sind Gläubige beim Beten irgendwie angespannter und zeigen deshalb ein anderes Aktivitätsmuster, etc.pp.
AntwortenLöschenIch find das nicht wieder...hab letztens irgendwann ´ne Studie bzgl. Hirnaktivitätsforschung gelesen und es soll sich gezeigt haben, dass die Aktivität einiger Bereiche bei an eben eine höhere Macht Glaubenden und der Beschäftigung mit religiösen bzw. spirituellen Themen sehr viel stärker sei als bei Nichtgläubigen. Bestenfalls könnte man daraus schlussfolgern, meine ich, dass mehr Konzentration erforderlich ist, um störende "Abschweifungen" zu verhindern. Wieder andere Neurowissenschaftler sprechen von Dopaminausschüttungen...ich bin da bisher eher noch vorsichtig, weil ich mir das Studiendesign etwas zu einfach und durchsichtig für den Probanden vorstelle.
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