Lange habe ich geschwiegen. Viel zu lange. Jetzt endlich kann auch ich, gestärkt durch die Aufmunterung, die man allerorts erfährt, reden. Es muss einfach mal raus, damit es seine quälende, traumatische Dimension verliert.
Auch ich wurde schon Opfer von Sexistinnen und wie ich mir hier so die Tränen trockne, um die Wiedergabe nicht zu verwässern, da kommt mir das Jahr 83 wieder in den Sinn. Ich arbeitete als Surflehrer in Australien und wollte -ehrlich, ganz, ganz ehrlich- ausschliesslich Wellen reiten, aber die zumeist weibliche Schülerschar liess mir einfach keine Ruhe, nichtmal abends, wo ich doch eigentlich nur im Sonnenuntergang sitzen und Rilke lesen wollte. Immer und immer wieder kamen sie und flirteten gar heftigst mit mir, eine hat mich sogar mal unsittlich an der kräftigen Schulter berührt.
Naja, Down Under, dachte ich halt und verliess diesen unzivilisierten Ort recht bald Richtung norddeutscher Großstadt, wo ich fortan erneut Lebensunterhalt und nebenher auch Boxkämpfe bestritt.
"Mach ihn tot, du geiles Miststück!" gehörte dabei zu den noch eher als harmlos zu bezeichnenden Aufforderungen aus den östrogen überfrachteten Sitzreihen. Kusshändchen und Gebrauchtslips flogen mir zu.
Einmal gar, ich musste zwischenzeitlich wohl so um die 30 und damit in voller Blüte gewesen sein, gingen wir, meine Rigger-Kollegen und ich, ob der herrschenden Hitze nur notdürftig angezogen, in der Arbeitspause durch die Innenstadt. Und da waren sie - wie Zoobesucher die Tiere begafften sie uns ungeniert und deuteten mit der Zunge in der Wangenhöhle Sexualpraktiken an, die unsereins nur von den TV-Sendern kannten, die man im Hotel extra bezahlen muss. 3 nicht mehr ganz junge, wenngleich noch nicht ganz abgelaufene Grazien im offenen Cabrio.
Soweit nur ein paar Beispiele, wobei sich ja die Frage stellt, was Sexismus denn eigentlich überhaupt ist.
Steigert man den weiblichen Sexismus, wenn man mit dem Porsche-Schlüssel lässig wedelt?
Ist es nicht auch schon Sexismus, wenn Frauen, die bestenfalls halb so alt sind wie ich, in mir nicht den zärtlichen, treusorgenden, zuverlässigen Partner sehen, sondern einen wandelnden Rentenfonds?
Ich kann es euch nicht sagen, bin aber unendlich froh, dies so Belastende niedergeschrieben zu haben.
Zur Freiheit, zur Sonne, Schwestern!
Lieber Cowboy,
AntwortenLöschenes tut mir unendlich leid.
Wir waren jung und wußten nicht, wie traumatisch sich die Sache mit den Slips auswirken kann. Wir hatten ein bißchen was getrunken und dachten, wir seien in einem StripClub für Mädchen. Wenn wir geahnt hätten, was ....
Moment mal....
'83/'84 war ich noch im Internat... ich kann es also nicht gewesen...
Mit was für einem PorscheSchlüssel wedelst Du da eigentlich?
Ich beliebte zu wedeln...lang, lang ists her. Hab mal nen 911 Turbo gehabt. Man braucht das übrigens nicht unbedingt am Autoschlüssel festmachen, Designer-Anzug, fette Armbanduhr, edle Schuhe gehn auch.
LöschenBtw verhaun sich die Stripper seltenst gegenseitig.^^
Heute weiß ich das auch, dass Stripper sich nicht gegenseitig verhauen...
Löschendeshalb gehe ich viel lieber zu Boxkämpfen.
Erschütternd. Ich schäme mich, zutiefst. Wie oft habe ich wehrlosen jungen Männern lüsterne Blicke zugeworfen, ihnen zugezwinkert, und mich verheißungsvoll auf der Tanzfläche geräkelt. - Okay, das muss ich jetzt mal, im Namen aller Frauen anmerken: Gewehrt hat sich ja keiner, ne? Hätte mir mal einer gesagt, dass er das nicht will! *dramatisch gestikulier* SO musste ich ja nun davon ausgehen, dass ihr das geil findet.
AntwortenLöschen..man(n) muss mir schon sagen, wenn er was nicht will.
...Du bist kein wandelnder Rentenfonds? oO Na toll, auch diese Illusion zerstört. Du lässt einem aber auch gar nix.
Zu Recht schämst du dich...mein ganzes Leben lang habt ihr mich nur als Sexobjekt gesehen. Buääääääääääh, ich komm mir so...so...so billig vor.
LöschenUnd nix is mit Rentenfonds *Zunge rausstreck*.
Ma ernsthaft: ´n paar meiner Freundinnen im Ausland lachen sich grad scheckig, über was für´n Scheiss hier diskutiert wird...die meisten von denen sind noch nie am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden, weil´s keine gibt. Also Arbeitsplätze gezz.