Montag, 14. Januar 2013

Hüttenkäse, Philosophie, Religion und Glaube

Es wird um freundliche Beachtung der kreativst umgestalteten Überschrift gebeten.
Wieso ist Kreativität eigentlich keine Wissenschaft, Philosophie und Theologie aber wohl?
Ok, Geisteswisenschaften. 2.Liga, aber immerhin.
Wer mir das -aber schlüssig bitte- erläutern kann, darf´s hinausposaunen in die Welt, bis dass die Mauern von Jericho einen Zusammenbruch erleiden.

Aber das nur vorneweg und ganz am Rande, denn ich wollte ja noch der Frage auf den Grund gehen, ob es denn wohl möglich wäre, dass wir sowas wie  den Glauben an ein höheres Wesen respektive eine höhere Macht in uns tragen.
Der Mensch hat Urängste, Ursehnsüchte und Urtriebe, manche auch einfach nur Uriges, aber das soll unser Thema nicht sein. Jedes Kind, jedes Baby hat darüberhinaus Ängste, die sich aus seiner Wehr- und Schutzlosigkeit, Unbeholfenheit und mangelndem Erfahrungswissen zwangsläufig ergeben.
Wenn es dunkel ist, fürchtet es sich, weil es sich die Geräusche oder den Windzug nicht erklären kann, ausserdem ist es einsam, ihm fehlen bekannte Töne wie die Stimme der Mutter, deren körperliche Nähe, alle Dinge, die ihm signalisieren, dass keine Gefahr besteht.
Nun weiss man aber aus der psychologischen Forschung, dass und wie sich Traumata entwickeln, die ihren Ursprung in frühkindlichen Erfahrungen haben. Würde das geschehen, wenn wir diesen Urglauben schon in uns hätten?

Und später dann?

Der Mensch möchte gerne alles, was ihn beeinflussen könnte, kontrollieren, besonders seine Ängste, was ihm aber nur seltenst gelingt, da die meisten davon im Unterbewusstsein gespeichert sind.
Stell dir doch mal vor, du müsstest nachts durch einen stockfinsteren Wald laufen. Warum auch immer.
Du siehst nichts, hörst Geräusche, die du nicht zuordnen kannst, Äste klatschen dir ins Gesicht und der Waldboden ist so weich, du hast das Gefühl, darin versinken zu müssen.
Hast du Angst? Na klar hast du die. Hättest du sie auch, wenn dein Waldspaziergang mittags um 12
statt fände? Wohl eher nicht, ausser du bist ein ausgesprochener Schisser, was ich jetzt mal zu deinen Gunsten nicht annehmen will.
Wäre es nicht toll, nachts an deiner Seite jemanden zu haben, der dich beschützt?
Ich geb dir mal ein paar zur Auswahl: Gott, Allah, Shiva; Jahve.
Oder den hier: Sepp, seines Zeichens Wilderer und mit allen nächtlichen Forstgeräuschen und Trugbildern vertraut.
9 von 10 und Nazan Eckes würden wohl einen der ersten vier wählen. Warum? Vertrauenssache.

Und noch ein Gedicht, äh, Beispiel:
Imaginiere doch mal kurz einen, sagen wir ,  2 Meter breiten Graben, in dem zwar Krokodile hocken, über den du aber trotzdem springen musst, weil dich ein Rudel Löwen hetzt. Keine Hilfsmittel.
2 Meter sind wirklich nicht viel, das sollte selbst die übelste Couch-Potato locker schaffen, doch plötzlich setzt diese Furcht ein - was, wenn mir beim Absprung ein Muskel reisst, was, wenn so´n Kroko so hoch springen kann, dass es mir die Weichteile abbeisst, was, wenn ich vorher stolpere?
Rettende Idee: Ich bete einfach mal, dass nichts dergleichen passieren möge.
Gut, schaden tut´s nicht. Aber helfen?

So. Wer jetzt noch nicht genervt auf Facebook umgeschaltet hat und sich bunte Bilderchen anguckt, dem sei zum Überfluss auch noch ein sehr persönliches Beispiel serviert.
Ich glaube an keinerlei wie auch immer übergeordnete Macht, schon gar kein entsprechendes Wesen. Wenn es Gott doch gibt, hab ich btw. so richtig die Arschkarte, hab ich ihn doch schon mehrfach, zum Teil sogar recht öffentlich, verflucht. Für den Fall erbitte ich mir ein wenig Gnade.
Ich glaube, dass die Natur die Dinge regelt und zwar ohne dabei auf den Einzelnen zu schielen oder gar Rücksicht zu nehmen. Die wiederum ist eingebunden in den Kosmos, das Universum, welches die Voraussetzungen für unser Leben und Gedeihen sowie das unserer Umwelt schafft -Wasser, Erde, Luft...Erdanziehungskraft...whatever.
Nun neige ich aber zu für viele Menschen verstörenden Betätigungen wie etwa Freeriden, bekannt auch als Extremskifahren. Wenn ich nicht grade ein paar Schrauben im Genick habe, nutze ich die Winterzeit, um mich mehr oder weniger fröhlich Steilhänge hinab zu stürzen. Warum? Weil ichs kann. Beziehungsweise auszuloten, was geht und was nicht.
Die Angst, die ich dort empfinde, würde ich erstens nicht als solche, sondern vielmehr als Vorsicht bezeichnen und zweitens versuche ich die durch extreme Konzentration auf das zu Leistende zu kanalisieren.
Ich bin mir bewusst, dass alles nur Erdenkliche passieren kann. Ein Schneebrett könnte sich lösen und mich in die Tiefe reissen, ein aufgeschrecktes Wildtier meinen Weg kreuzen, ein Steinschlag, eine Windböe...alles möglich, jedoch nicht im Geringsten zu beeinflussen.
Also verlasse ich mich auf meine Fähigkeiten und konzentriere mich auf das zu Beeinflussende, was darüber hinaus geht, ist nunmal so und stellt das Restrisiko dar.
Das könnte ich auf diverse Sportarten ummünzen, im Endeffekt jedoch kommt´s eh immer nur aufs Selbe raus.
Je stärker das Bewusstsein um die eigenen Fähigkeiten -und das kann man in jeden Lebensbereich übertragen- desto weniger benötigt man überhaupt irgendein Glaubenskonstrukt.
Das Übrigbleibende nimmt man als gegeben hin. Genau wie all die Fragen, für die man partout keine Antworten finden kann.
Ist das überheblich? Hebe ich mich selbst damit über "Gott"?
Nein, denn im Gegensatz zu ihm scheine ich zu wissen, was ich zu tun und was ich zu denken habe.

10 Kommentare:

  1. Jau, ich denke auch, dass das ganz extrem mit der eigenen Kontrollüberzeugung zu tun hat. Es gibt ja so Menschen, die die Geschehnisse um sie herum - vor allem negative - auf's Schicksal schieben. Ich will das eigentlich gar nicht runtermachen... so ist es halt und das ist eine Art Bewältigungsstrategie, wenn man sich seines eigenen Könnens einfach nicht bewusst ist. Glaube ich zumindest. Einfach die Überzeugung, dass äußere Umstände/irgendwelche Entitäten das eigene Leben beeinflussen. "Die Welt meint es aber auch schlecht mit mir", etc. pp.
    Der Glaube ist da ja schon irgendwie hilfreich. Ich hab' mich da in manchen Momenten oft genug nach gesehnt - es mir durch festen, unerschütterlichen Glauben einfacher zu machen. Ich meine, es ist ja eigentlich nichts Schlechtes daran, wenn man immer etwas hat, an das man sich halten kann - dieses Urvertrauen eben, von dem du sprichst. Ich hab' irgendwann zwei Schwestern im Bus getroffen... flüchtige Bekannte, aber echte Gutmenschen. Die beiden waren ziemlich jung... ich würde behaupten, so 15 und 17. Sie haben mir (damals war ich selbst ca. 17) erzählt, dass sie mit ein paar Freunden so eine Art Hausgottesdienst jede Woche abhalten. Nichts Missionarisches, einfach gemütlich Zusammensitzen und, wie sie es sagten, Gott nahe sein - ohne die Institution Kirche. Dazu haben sie mich eingeladen und ich war neugierig. Ich bin nicht getauft, meine Eltern hatten nie etwas mit Religion am Hut - aber warum nicht einfach mal hingehen? Also war ich da und hab' mich drauf eingelassen. Es war wirklich merkwürdig, in dieser kleinen Runde zu sitzen und jeden ein kleines Gebet - auch für mich - sprechen zu hören. Als die Reihe an mir war, kam ich mir echt doof vor. Eine Art Ungläubige unter lauter Gläubigen, die aber keineswegs als aussätzig behandelt wurde. Anschließend wurde einfach gequatscht und gelacht und den Abschluss bildete ein kleines heimisches Klavierkonzert, zu dem alle irgendwelche Choräle schmetterten und einfach Spaß hatten. Und ja... da hab' ich tatsächlich einen Hauch davon gespürt, was es heißt zu glauben. Eine Ahnung davon, wenn du so willst. Allerdings bin ich überzeugt, dass das nicht etwas Spirituelles war, sondern einfach dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, eine gewisse menschliche Wärme von Leuten, die mir völlig unvoreingenommen einen Blick in ihren kleinen Kreis gewährt haben.

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  2. Na toll, jetzt ist der halbe Kommentar verschwunden...
    Ich hatte noch geschrieben, dass ich eigentlich prädestiniert dazu sein sollte zu glauben, weil ich mich nicht für sonderlich selbstbewusst halte. Allerdings bin ich trotzdem der festen Überzeugung, mein Leben selbst in der Hand zu haben und meines Glückes Schmied zu sein. Vielleicht ist aber auch gerade das Selbstbewusstsein - ich kann's nicht sagen.

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Uh, ehm... bitte ignorier die eMail, okay? Jetzt gings grad doch mit dem Löschen.

    War nichts ... wichtigtes. Also, schon, deswegen hab ichs gelöscht. Nur ein blödes Gefühl, nix weiter - ich mach beim nächsten Thema wieder mit, okay?

    *hinsetzt und für diese Runde das Mowl hält*

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  5. ich schließe mich ein stück weit dem ersten kommentar an. auch ich habe mit der glaubensgeschichte nix am hut, wobei ich mir die ganze sache gezwungenermaßen damals bis zur konfirmation inkl. des schulischen religionsunterrichtes noch bis kurz vor abi soweit nahebringen lassen musste, so dass ich mir anmaße für mich die entscheidung getroffen zu haben, dass das mumpitz ist. also religion an sich. was noch nicht die "glaubenssache" erschlägt - hier gönne ich jedem seinen glauben und mag mir kein urteil daran erlauben wer an was/wen oder wie glaubt. dennoch bin ich der meinung, dass das glauben an ein "irgenwas" auch ein stück weit die abgabe von verantwortung beinhaltet. ich stelle mir das so vor, als bräuchte man immer irgendwie "vati" oder "mutti", die man dafür verantwortlich machen kann, wenn irgendwas besonders toll oder auch besonders unschön läuft. kann ich mir was nicht erklären? gut - das war dann halt [enter die instanz, an die man gerade glaubt] wille...irgendwas lief total scheisse? ok - dann habe ich [...] wohl verärgert...irgendwas lief total toll? oh danke [...] du bist der/die/das tollste usw. das erspart es den menschen unter umständen sich mit - für sie - unerklärlichen oder auch unangehemen dingen auseinander zu setzen, weil "da" ja immer "wer" ist, den man zur finalen erklärung von allem heranziehen kann. ob das nun gut ist oder schlecht ist oder ob man das für sich selbst und sein seelenheil nun braucht ist ne andere sache. entscheiden sie selbst...

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  6. Ich bin auch raus. :) Philosophieren um Glaubensfragen liegt mir nicht.

    Da kommt man während der Denkgymnastik vom Hundertstel ins Tausendstel ohne wirklich zu einem Konsens bzw. der "Wahrheit" einen Schritt näher zu kommen. Aber es ist ein lesenswerter Einblick in eure Denkweise bei diesem metaphyischen Thema. Macht ruhig weiter, laßt euch durch meinen Kommentar nicht stören - ich lese im Stillen mit und mache mir so meine Gedanken (zum Beispiel über den Hüttenkäs'. Wo ist der Hüttenkäs'?)

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  7. Hab ich auch schon gefragt, das mit dem Hüttenkäse.
    Den sucht der Cowboy anscheinend noch... oder ihn hat der Zorn Gottes getroffen.

    Mir wird das jetzt auch zu - wirr.
    Tut mir leid... aber macht gern weiter
    *neben Daria und Mika setz*

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  8. @daria: Ja, es stimmt schon... eine wirkliche allgemeingültige Wahrheit gibt es da sicher nicht. Aber es war spannend, mal meinen eigenen Gedankengängen dazu auf die Spur zu folgen - mache ich nicht jeden Tag. :) Und die Erinnerung wieder wachzurufen... das ist auch was Schönes. <3

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