Donnerstag, 17. Januar 2013

Non, je ne regrette rien


Zu meinen allabendlichen Gepflogenheiten gehört ein mitunter doch recht ausuferndes Telefonat mit Andrea, der letztens eine besondere Ehre zuteil wurde: Sie durfte nämlich das von mir in den Anfangstagen des Jahres 2011 müh- und sorgsam verfasste Manuskript eines Pi mal Daumen etwa 1400 Seiten starken Romans lesen.
Gestern nun war sie soweit durch und liess sich nicht abhalten, ihre Meinung kund zu tun. Einer alles in allem recht ordentlichen  Kritik folgte die psychologische Sezierung meiner selbst. Durch sie. Ohne Narkose.
Sie meinte, selten etwas so, ich zitiere "Aufmunterndes" lektiert zu haben, was sie besonders verwundere, da doch Entstehung und ein für mich nicht gerade erfreuliches Ereignis in engem zeitlichen  Zusammenhang stünden.
Man spüre förmlich, teilte sie mir unaufgefordert mit, welch positives Gedankengut dem Autor zu eigen sei, gepaart mit einem gehörigen Schuss Realismus sowie einer unvermeidlichen Portion Sarkasmus.
Noch bevor ich zur gelungenen Analyse gratulieren konnte, kam die Frage nach  dem schönsten Erlebnis meines ganzen, ja doch schon unverhältnismässig lange andauernden Lebens und nach reiflicher Überlegung, die etwa 1 Tausendstel Sekunde in Anspruch nahm, gab ich diese Antwort, die zwar einige schon kennen mögen, was mir aber wurscht ist, weil ihr werdet ja auch nicht jünger.

Gut, dass sie nicht nach dem schlimmsten Ereignis gefragt hat.





Heart of gold

Wer behauptet, ich hätte keins, was des öfteren mal vorkommt, der lügt und sei fortan mit einem Fluch belegt. Wie dieser, der Fluch nämlich, sich inhaltlich gestalten wird, weiss ich noch nicht, jedoch weiss ich eins mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: Was dereinst anno neunzehnschiessmichtot in einer kleinen Veranstaltungshalle vor den Toren Hamburgs stattfand, möge als bestes Indiz für obige Behauptung her- und statthalten.
Ich liess meine Crew ein einfaches, wenngleich durchaus beeindruckendes Bühnenset aufbauen. Gesagt hatte ich ihnen, es war Heiligabend, es gäbe ein kleines Charity-Konzert. War's irgendwie auch. Ich wollte nämlich meiner Mannschaft und vor allem mir etwas Gutes tun und so beschloss ich im Vorfeld, ausser ein paar Personen aus meinem nächsten Umfeld niemanden in meine Pläne einzuweihen. Und so dengelten und bauten sie fleissig drauflos, nicht ahnend, dass sie diejenigen sein würden, die im frisch gezauberten Rampenlicht stehen sollten, ein jeder mit der Aufgabe , ein Liedlein vorzutragen, wofür's im Gegenzug ein Weihnachtsgeschenk geben sollte.
Den meisten Spass hatten wir, meine damalige Freundin Jenny und ich, beim Aussuchen der Lieder, wobei man sich vorstellen muss, wie ein etwa 90 kg schwerer, von oben bis unten, rechts und links tätowierter und beringter Techniker oder Stage-Hand "Stille Nacht" trällert.
Vor unserem geistigen Auge sahen wir die Jungs aus ganzer Kehle singen und jubilieren und waren uns sicher, die ein oder andere Träne anschliessend in den Augenwinkeln glänzen zu sehen. So kam es auch. Allerdings waren die meisten Tränen bei Jenny zu vermelden, die sich plötzlich, nach improvisiertem Stromausfall an der Seite von Zucchero, den sie über alles verehrt, wiederfand und mit ihm gemeinsam "Diamante" sang, wobei sie den Part von Randy Crawford belegte, während meine Wenigkeit bis zur plötzlichen Dunkelheit auf der Bühne den Part von Z. inne hatte.

Mittlerweile bin ich alt wie ein Stein, aber ich habe nie wieder einen glücklicheren Menschen als Jenny in jenem Augenblick gesehen. Und weil ich grad mit ihr telefoniert habe, kam's mir in den Sinn und anschliessend in die Tastatur. Und Jenny sagt, ich hätte ein heart of gold und die muss es ja wissen, schliesslich hat sie's drei Jahre mit mir ausgehalten.

8 Kommentare:

  1. Hach... shice, du bist schon echt ganz schön romantisch, wa? ;D

    Verzeih ich dir, weil das so arschcool ist.

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  2. Was ist denn das für ein blaues Etwas? Ich bin ja gespannt, was du geschrieben hast. das Werk ist 1400 Seiten lang? Und wenn es tatsächlich veröffentlicht wird, werden wir es nie erfahren, weil du ja inkognito bist. :(

    Und die Geschichte darunter kommt mir vage bekannt vor, ist aber immer wieder schön zu lesen.

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    1. Das blaue Etwas ist nur vorübergehend, da Blogger immer durchdreht, wenn man etwas kopiert. Da waren iwie nur weisse Balken zu sehen, also habe ich das geschickt in Word kopiert, da mit Hintergrundfarbe hinterlegt und schwupps, sah´s so aus.

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  3. Und auch die altem Geschichten ;)

    Kann grad nur mit dem smarten Phone kommentieren u das ist doof

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    1. Hmmm, und die neuen etwa nicht? 8(

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    2. doch, die auch ... aber die unterlegst Du nicht so schön in fiesblau

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